HAP Grieshaber

                 
        © VG Bild-Kunst Bonn, 2004  

Der 1909 als Helmut Anton Paul – HAP – Grieshaber geborene Künstler verwirklicht sein bildnerisches Werk hauptsächlich im Holzschnitt. Seine Motive entlehnt er Mythen der Antike und Gegenwart, die er mit biblischer Einfachheit, polemischer Wucht und intuitiver Kraft umsetzt. Nach absolvierter Buchdrucker- und Schriftsetzerlehre studiert er von 1926 bis 28 in Stuttgart Kaligraphie. Von den Nationalsozialisten mit Berufsverbot belegt, lässt er sich bei Reutlingen nieder, wo er  im Verborgenen weiter arbeitet. Nach seiner Lehrtätigkeit an der Bernsteinschule bei Sulz am Neckar tritt er 1955 die Nachfolge von Erich Heckel an der Staatlichen Kunstakademie in Karlsruhe an. Als kritisches Organ gibt Grieshaber ab 1965 in lockerer Folge die nach einem Zitat von Walter Benjamin benannte Zeitschrift „Der Engel der Geschichte“ heraus. Im vorliegenden Blatt, das am Tage der Ermordung von Martin Luther King entsteht, kommentiert er das politische Ereignis von großer Tragweite. Mit erdverbunden und blockhaften Formen im unteren Teil betont er die Sterblichkeit der menschlichen Kreatur, während im oberen Teil die Hoffnung auf ein Weiterleben des Geistes („I have a dream“) genährt wird, indem sich der Kopf vom Rumpf trennt und mit den ornamental gestalteten Flügeln frei und leicht davon zu schweben scheint. Der Künstler setzt Farbe nicht als dekoratives Element, sondern symbolisch als sinnbildlichen Ausdrucksfaktor ein, so unterstreicht das kräftige Violett die Immaterialität des Vorgangs. Grieshabers Devise lautet: “nicht Erziehung zur Kunst, sondern Erziehung zum Leben durch Kunst.“ 

 

 
 

 

 

 

 
 
 
 
 
 

HAP Grieshaber

 Martin Luther King, 1968, Farbholzschnitt

           
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